Wie groß ist ein normaler Hausanschluss?
Ein Einfamilienhaus bekommt in Deutschland meist einen Hausanschluss für drei mal 63 Ampere, das sind rechnerisch etwa 43 Kilovoltampere. Diese Leistung reicht für Herd, Warmwasserbereiter, Beleuchtung und die üblichen Haushaltsgeräte mit deutlichem Spielraum, weil nie alle Geräte gleichzeitig mit voller Last laufen.
Wann reicht diese Leistung nicht mehr?
Genau diese Annahme gerät unter Druck, wenn mehrere große Verbraucher zusammenkommen: eine Wallbox mit 11 oder 22 Kilowatt, eine Wärmepumpe mit mehreren Kilowatt Leistung und ein elektrischer Durchlauferhitzer. Er allein kann schon 18 bis 27 Kilowatt ziehen, wenn auch nur für die Dauer des Duschens. Der Netzbetreiber bewertet dabei nicht die Summe aller Anschlusswerte, sondern die Last, die tatsächlich gleichzeitig abgerufen wird. Diese Last verschlechtert sich mit jedem neuen Dauerlast-Gerät in Ihrem Haus.
Für die Elektrofachkraft zählt deshalb nicht die Summe der Typenschild-Werte. Wichtiger ist ein realistisches Tagesprofil: Wann lädt die Wallbox, wann läuft die Wärmepumpe an, wann duscht die Familie. Fallen alle drei Spitzen zeitlich auseinander, bleibt der Hausanschluss unauffällig, selbst wenn die addierten Werte auf dem Papier hoch aussehen. Fallen sie zusammen, etwa weil abends geladen, geheizt und geduscht wird, entsteht aus drei für sich harmlosen Geräten eine Lastspitze. Genau die nimmt der Netzbetreiber ernst.
Wer prüft, ob Ihr Hausanschluss die neue Last trägt?
Ob Ihr vorhandener Hausanschluss die neuen Geräte gleichzeitig trägt, schätzt die Elektrofachkraft ein, die Wallbox, Wärmepumpe oder Zählerschrank plant, gemeinsam mit dem Netzbetreiber. Eine neue Wallbox muss dem Netzbetreiber ohnehin vor dem ersten Laden gemeldet werden. Überschreitet ihre Leistung 12 Kilovoltampere, braucht sie zusätzlich seine vorherige Zustimmung, und dafür hat er zwei Monate Zeit. Für andere große Verbraucher wie eine Wärmepumpe oder einen Durchlauferhitzer gilt diese feste Zweimonatsfrist nicht. Sie müssen die Änderung dem Netzbetreiber trotzdem melden, wenn sich dadurch Ihr Strombedarf deutlich erhöht.
Für seinen eigenen Netzanschluss ist der Netzbetreiber selbst verantwortlich: Er entscheidet über Wartung, Erneuerung und Verstärkung und muss dabei Ihre berechtigten Interessen anhören. Sie selbst dürfen an diesem Teil der Anlage keine eigenen Arbeiten vornehmen, auch nicht durch Ihren eigenen Elektriker.
- Die Elektrofachkraft summiert die geplanten Anschlusswerte und schätzt die gleichzeitig abgerufene Last anhand von Standardprofilen für Wallbox, Wärmepumpe und Durchlauferhitzer ab.
- Sie meldet die geplante Änderung dem Netzbetreiber; eine Wallbox über 12 Kilovoltampere braucht dessen vorherige Zustimmung.
- Der Netzbetreiber prüft die Kapazität des vorhandenen Anschlusses und des Stromnetzes in Ihrer Straße.
- Reicht der Anschluss nicht, verstärkt der Netzbetreiber ihn selbst, weil der Hausanschluss zu seinen eigenen Anlagen zählt.
Wer zahlt eine stärkere Zuleitung?
Die Kostenfrage teilt sich in zwei getrennte Posten. Für die eigentliche Herstellung oder Änderung Ihres Netzanschlusses darf der Netzbetreiber eine Kostenerstattung verlangen, pauschal auf Basis vergleichbarer Fälle berechnet und nachvollziehbar dargestellt.
Zusätzlich darf der Netzbetreiber einen Zuschuss zu seinen Netzkosten verlangen, wenn er wegen Ihres Anschlusses sein Stromnetz oder einen Trafo in der Straße verstärken muss. Dieser Zuschuss deckt höchstens 50 Prozent der dafür nötigen Kosten. Er wird nur für den Teil Ihrer Leistungsanforderung erhoben, der 30 Kilowatt übersteigt. Ein einzelnes Einfamilienhaus mit Wallbox, Wärmepumpe und Durchlauferhitzer bleibt in aller Regel unter dieser Schwelle, ein solcher Zuschuss wird deshalb selten fällig.
Diese Aufteilung macht schnell einen Unterschied von mehreren tausend Euro. Die Erstattung für Kabel und Sicherung zahlen Sie in voller Höhe. Der Zuschuss zu den Netzkosten deckelt sich bei höchstens 50 Prozent und greift erst über 30 Kilowatt Leistung. Die laufende Wartung dagegen übernimmt der Netzbetreiber vollständig.
| Kostenposition | Wer zahlt | Deckelung |
|---|---|---|
| Herstellung oder Änderung des Anschlusses selbst (neues Kabel, größere Sicherung) | Sie zahlen, pauschal nach Vergleichsfällen | keine feste Obergrenze, muss nachvollziehbar sein |
| Verstärkung des Stromnetzes oder eines Trafos in der Straße | Sie zahlen anteilig als Zuschuss zu den Netzkosten | höchstens 50 Prozent der Kosten, nur oberhalb 30 kW Leistung |
| Wartung und laufender Betrieb des Anschlusses | Der Netzbetreiber zahlt | keine Kostenbeteiligung von Ihnen |
Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Braucht Ihr Haus wegen Wallbox und Wärmepumpe ein stärkeres Kabel vom Verteiler bis zum Hausanschlusskasten, ist das eine Änderung des Anschlusses, die Sie in voller Höhe erstatten. Muss der Netzbetreiber zusätzlich den Trafo im Straßenzug verstärken, weil mehrere Häuser gleichzeitig aufrüsten, ist das eine Verstärkung des Netzes. An dieser beteiligen Sie sich nur anteilig und nur oberhalb der 30-Kilowatt-Schwelle. In der Praxis bleibt ein einzelnes Einfamilienhaus meist bei der ersten Position, während die zweite eher ganze Neubaugebiete betrifft.
Muss der Zählerschrank mitwachsen?
Ja, in aller Regel schon. Eine Verstärkung des Hausanschlusses erhöht die Leistung, die Ihre Anlage tragen muss. Das ist einer der Gründe, die eine Prüfung Ihres Zählerschranks verlangen. Ein Zählerschrank, der für 63 Ampere ausgelegt war, muss bei einem größeren Anschluss oft eine größere Verteilerleiste oder zusätzliche Zählpunkte aufnehmen.
Planen Sie deshalb Anschlussverstärkung und Zählerschrank-Anpassung als ein zusammenhängendes Vorhaben, nicht als zwei getrennte Aufträge. Welche Regeln für den Zählerschrank selbst gelten und wie die Prüfung abläuft, beantwortet der Pillar-Artikel dieses Clusters ausführlich.
Ein größerer Anschluss verändert außerdem, wie stark die Verdrahtung und der Hauptschalter im Zählerschrank ausgelegt sein müssen, weil beide für den neuen, höheren Strom passen müssen. Ein Zählerschrank, der bisher knapp für 63 Ampere gereicht hat, reicht nicht automatisch auch für einen verstärkten Anschluss mit höherem Strom.
Wie läuft die Anfrage beim Netzbetreiber ab?
Die Anfrage läuft in mehreren Schritten, an deren Ende der Netzbetreiber verstärkt oder eine Alternative vorschlägt.
Lastschätzung
Die Elektrofachkraft schätzt die künftige Gleichzeitigkeit von Wallbox, Wärmepumpe, Durchlauferhitzer und übrigem Haushalt ab und hält fest, ob der vorhandene Anschluss reicht.
Anfrage beim Netzbetreiber
Der Betrieb oder Sie selbst reichen die Anfrage mit den geplanten Geräten und deren Leistung ein.
Netzprüfung
Der Netzbetreiber prüft den vorhandenen Anschluss und das Netz in Ihrer Straße. Braucht die Wallbox seine Genehmigung, hat er zwei Monate Zeit. Für andere Geräte gibt es keine feste Frist.
Angebot oder Ablehnung
Reicht die Kapazität nicht, nennt der Netzbetreiber den Grund, mögliche Abhilfe und den Zeitbedarf, meist zusammen mit einem Angebot und einer Kostenschätzung.
Ausführung
Der Netzbetreiber verstärkt Anschluss und gegebenenfalls Netz, Ihr Elektrofachbetrieb passt parallel den Zählerschrank an.
So bereiten Sie die Anfrage gut vor
Eine vollständige Anfrage verkürzt die Prüfzeit beim Netzbetreiber spürbar.
- Listen Sie alle geplanten und vorhandenen Großverbraucher mit ihrer Leistung auf: Wallbox, Wärmepumpe, Durchlauferhitzer, Klimagerät, Pool.
- Lassen Sie die Elektrofachkraft eine Gleichzeitigkeitsschätzung erstellen, nicht nur die Summe der Anschlusswerte einreichen.
- Reichen Sie die Anfrage über einen bei Ihrem Netzbetreiber gelisteten Betrieb ein.
- Fragen Sie nach der Kostenschätzung für die eigentliche Verstärkung und einen möglichen Zuschuss zu den Netzkosten getrennt.
- Stimmen Sie den Zeitplan für Zählerschrank-Anpassung und Anschlussverstärkung mit demselben Betrieb ab, damit beide Arbeiten in einem Termin zusammenfallen.
Halten Sie zusätzlich fest, ob in absehbarer Zeit weitere Großverbraucher dazukommen, etwa eine zweite Wallbox für ein zweites Fahrzeug oder ein Pool mit Pumpe. Ein Netzbetreiber plant eine Verstärkung meist für einen längeren Zeitraum. Eine realistische Zukunftslast bezieht er lieber gleich mit ein, als in zwei Jahren erneut verstärken zu müssen. Das erspart Ihnen einen zweiten Antrag und eine zweite Wartezeit. Was ein plausibles Angebot für den Zählerschrank an Einzelposten enthalten sollte, zeigt der Nachbarartikel dieses Clusters.
Häufige Fragen
Wie groß ist ein normaler Hausanschluss für ein Einfamilienhaus?
Ein üblicher Hausanschluss ist für drei mal 63 Ampere ausgelegt, das sind rechnerisch rund 43 Kilovoltampere. Dieser Wert reicht für den klassischen Haushalt mit deutlichem Spielraum, weil selten alle Geräte gleichzeitig mit voller Last laufen. Kommen mehrere Großverbraucher wie Wallbox, Wärmepumpe und Durchlauferhitzer zusammen, kann die gleichzeitig abgerufene Last diesen Wert erreichen oder übersteigen.
Wer zahlt die Verstärkung meines Hausanschlusses?
Die Kosten für die eigentliche Verstärkung tragen Sie selbst, pauschal auf Basis vergleichbarer Fälle berechnet. Muss der Netzbetreiber zusätzlich sein Stromnetz verstärken, darf er einen Zuschuss von höchstens 50 Prozent verlangen, aber nur für den Anteil Ihrer Leistungsanforderung über 30 Kilowatt.
Kann ich den Hausanschluss selbst prüfen oder verstärken lassen?
Nein. Der Hausanschluss zählt zu den Anlagen des Netzbetreibers, für die er allein verantwortlich ist. Wartung, Erneuerung und Änderung nimmt deshalb nur der Netzbetreiber selbst oder ein von ihm beauftragtes Unternehmen vor. Das gilt auch, wenn Ihr eigener Elektriker die Notwendigkeit erkennt und die Anfrage für Sie stellt.
Muss ich bei einer Anschlussverstärkung auch meinen Zählerschrank anpassen?
In den meisten Fällen ja. Eine höhere Anschlussleistung ist einer der Gründe, die eine Prüfung Ihres Zählerschranks verlangen. Planen Sie deshalb Anschlussverstärkung und Zählerschrank-Anpassung als ein gemeinsames Vorhaben mit demselben Elektrofachbetrieb.
Wie lange dauert die Prüfung durch den Netzbetreiber?
Bei einer Wallbox über 12 Kilovoltampere, die seine vorherige Zustimmung braucht, hat der Netzbetreiber zwei Monate Zeit für seine Antwort. Für andere große Verbraucher wie eine Wärmepumpe gibt es keine feste gesetzliche Frist, viele Netzbetreiber brauchen aber ähnlich lang. Bestellen Sie deshalb Geräte mit festem Liefertermin erst, wenn die Zusage vorliegt.
