Warum es keinen Festpreis für die Elektroinstallation gibt
Eine amtliche Preisstatistik für die Elektroinstallation im Neubau gibt es nicht, weder beim Statistischen Bundesamt noch bei den Handwerkskammern. Der Preis hängt von vielen Einzelheiten ab, vor allem von der Wohnfläche, der Zahl der Räume und Stromkreise und der gewählten Ausstattungsstufe.
Verlassen Sie sich deshalb nicht auf eine Hausnummer aus dem Bekanntenkreis. Zwei gleich große Neubauten können bei der Elektrik weit auseinanderliegen, wenn einer nur die Mindestausstattung bekommt und der andere zusätzlich Leerrohre für ein späteres Smart Home.
Dazu steigen die Preise. Laut Statistischem Bundesamt lagen die Preise für Elektro-, Sicherheits- und Informationstechnik beim Neubau von Wohngebäuden im Mai 2026 um 6,4 Prozent über dem Vorjahr. Der Neubau insgesamt verteuerte sich um 5,0 Prozent. Ein altes Angebot ist deshalb keine verlässliche Grundlage mehr.
Welche Ausstattungsstufe bestimmt den Preis?
Für die Planung gibt es eine Richtlinie der Elektrobranche, die RAL-RG 678. Die Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung (HEA) gibt sie heraus. Sie baut auf der Norm für Elektroanlagen in Wohnungen auf, die eine Mindestausstattung festlegt, und ergänzt zwei höhere Stufen. Dazu kommen drei Plus-Stufen für Smart Home.
- Stufe 1 mit einem Stern ist die Mindestausstattung nach der Norm.
- Stufe 2 mit zwei Sternen ist die Standardausstattung.
- Stufe 3 mit drei Sternen ist die Komfortausstattung, die höchste Stufe ohne Smart Home.
- Stufe 1 plus bereitet Smart Home nur vor, mit Leerrohren, Datenleitungen und Reserveplätzen im Verteiler.
- Stufe 2 plus führt zusätzlich die Funktionen mindestens eines Bereichs aus, etwa Beleuchtung oder Sonnenschutz.
- Stufe 3 plus führt die Funktionen von mindestens zwei Bereichen aus.
Je höher die Stufe, desto mehr Material und Arbeitszeit stecken in der Installation. Vereinbaren Sie die Stufe deshalb schriftlich mit dem Betrieb. Ein Wort wie Standardausstattung versteht jeder Betrieb anders.
Wie viele Steckdosen und Stromkreise sieht jede Stufe vor?
Ein Wohnzimmer über 20 Quadratmeter bekommt bei Stufe 1 fünf allgemeine Steckdosen, bei Stufe 2 elf und bei Stufe 3 dreizehn. Ein Schlafzimmer über 16 Quadratmeter kommt auf 8, 11 und 13 Steckdosen, eine Küche auf 3, 3 und 5, ein Bad auf 2, 4 und 5.
| Raum | Stufe 1 | Stufe 2 | Stufe 3 |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer über 20 Quadratmeter | 5 | 11 | 13 |
| Schlafzimmer über 16 Quadratmeter | 8 | 11 | 13 |
| Küche | 3 | 3 | 5 |
| Bad | 2 | 4 | 5 |
Auch die Zahl der Stromkreise wächst mit der Stufe. Bei Stufe 1 reichen für Licht und Steckdosen 3 Stromkreise in einer Wohnung bis 50 Quadratmeter und 7 in einer Wohnung über 125 Quadratmeter. Ab Stufe 2 sieht die Richtlinie für die meisten Räume einen eigenen Stromkreis vor. Herd, Geschirrspüler und Waschmaschine bekommen jeweils zusätzlich einen eigenen Stromkreis.
Dass Steckdosen im Neubau knapp werden können, zeigt eine Befragung des Herstellerverbands ZVEI von 2015. Ein großer Teil der Gebäude erreicht die Mindestausstattung der damaligen Norm nicht, auch bei Gebäuden ab Baujahr 2006. In rund 80 Prozent der Wohnzimmer gleichen Mehrfachstecker den Mangel aus. Prüfen Sie deshalb die Zahl der Steckdosen je Raum im Angebot.
Was gehört noch zur Elektroinstallation, das leicht vergessen wird?
Prüfen Sie im Angebot, ob diese Posten vorkommen.
- Leerrohr und Absicherung für eine spätere Wallbox in Garage oder Carport, auch wenn das E-Auto erst in einigen Jahren kommt.
- Ein Zählerschrank mit freien Plätzen für Wärmepumpe, Photovoltaik oder einen digitalen Stromzähler.
- Netzwerkdosen in den wichtigsten Räumen statt WLAN in jeder Ecke.
- Ein Stromkreisverteiler mit Reserveplätzen. Die Richtlinie verlangt in Wohnungen mit mehreren Räumen mindestens vier Reihen.
- Außensteckdosen für Garten, Terrasse und Carport.
Wer sein Haus später zum Smart Home ausbauen will, plant Leerrohre und einen größeren Verteiler am besten schon im Rohbau ein. Danach lassen sich Leitungen nur noch mit Stemmarbeiten nachziehen.
Was Sie vor dem Angebotsvergleich klären sollten
- Legen Sie die Ausstattungsstufe nach der Richtlinie RAL-RG 678 schriftlich fest, bevor Sie Angebote einholen.
- Geben Sie allen Betrieben denselben Grundriss mit derselben Raumliste.
- Verlangen Sie Einzelposten je Raum oder Funktionsbereich, nicht nur eine Endsumme.
- Fragen Sie nach dem Zeitpunkt der Rohinstallation. Sie muss vor dem Innenputz fertig sein, spätere Änderungen sind aufwendig.
- Klären Sie Reserveplätze im Verteiler und Leerrohre für Wallbox und Smart Home schon jetzt, nicht erst beim Einzug.
Häufige Fragen
Was kostet die Elektroinstallation in einem Einfamilienhaus im Neubau?
Eine amtliche Preisstatistik dafür gibt es nicht. Der Preis hängt vor allem von der vereinbarten Ausstattungsstufe, der Zahl der Räume und der Zahl der Stromkreise ab. Verlangen Sie deshalb ein Angebot mit Einzelposten für Ihren Grundriss, statt sich auf eine Hausnummer zu verlassen.
Was ist der Unterschied zwischen Standardausstattung und Komfortausstattung bei der Elektroinstallation?
Die Standardausstattung ist die Stufe 2 der Richtlinie RAL-RG 678 und hat mehr Steckdosen und Stromkreise als die Mindestausstattung. Die Komfortausstattung ist die Stufe 3, die höchste Stufe ohne Smart Home. Ein Wohnzimmer über 20 Quadratmeter bekommt bei Stufe 2 elf und bei Stufe 3 dreizehn allgemeine Steckdosen.
Warum sollten Bauherren die Smart-Home-Vorbereitung schon im Rohbau einplanen?
Leerrohre und Datenleitungen lassen sich im Rohbau günstig neben den Stromleitungen verlegen. In bewohnten Räumen müssen dafür später Wände geöffnet werden. Planen Sie deshalb mindestens die Stufe 1 plus ein, auch wenn Sie die Funktionen erst später nutzen.
Wie viele Steckdosen braucht ein Neubau mindestens?
Das hängt vom Raum und von der Ausstattungsstufe ab. Ein Wohnzimmer über 20 Quadratmeter bekommt bei der Mindestausstattung nach der Richtlinie RAL-RG 678 fünf allgemeine Steckdosen, ein Bad zwei. Lassen Sie sich die Zahl je Raum vom Betrieb schriftlich bestätigen.
Warum ist ein altes Angebot für die Elektroinstallation im Neubau keine verlässliche Grundlage mehr?
Die Preise für Elektroinstallationen im Neubau lagen laut Statistischem Bundesamt im Mai 2026 um 6,4 Prozent über dem Vorjahr, stärker als die Baupreise insgesamt mit 5,0 Prozent. Ein Angebot von vor einem Jahr liegt deshalb wahrscheinlich unter den heutigen Kosten. Holen Sie für eine verlässliche Kalkulation eine aktuelle Anfrage ein.
Muss ich beim Neubau einen Kostenanteil für den Netzausbau an den Netzbetreiber zahlen?
Nur wenn Sie mehr als 30 Kilowatt Leistung anfordern und der Netzbetreiber sein Netz dafür ausbauen muss. Dann darf er Sie am Teil über 30 Kilowatt beteiligen, höchstens mit der Hälfte der Ausbaukosten. Klären Sie das bei mehreren großen Verbrauchern früh mit dem Netzbetreiber.
