Elektrikerverzeichnis

Ratgeber

Wann muss der alte Sicherungskasten erneuert werden?

Veröffentlicht am , zuletzt aktualisiert am

Der alte Sicherungskasten muss erst erneuert werden, wenn Sie an der Anlage etwas ändern, denn für alte Schraubsicherungen gilt sonst Bestandsschutz. Bauen Sie einen Stromkreis neu oder ändern Sie ihn, muss dieser Teil die aktuelle Norm erfüllen, meist mit FI-Schalter. Die Arbeitsstunde kostet mehr als die 14,93 Euro Mindestlohn, dazu kommen Sicherungen und FI-Schalter als Material.

Mindestlohn im Elektrohandwerk
14,93 Euro je Stunde
Zoll, Übersicht Branchen-Mindestlöhne, Elektrohandwerke, Stand 1. Januar 2026
FI-Schalter-Pflicht in Wohnungen
höchstens 30 Milliampere, seit 1. Oktober 2018
DKE-Erläuterungen zur DIN VDE 0100-410, Stand 1. Oktober 2018
Preisanstieg für Elektroinstallation im Wohnungsbau
plus 5,4 Prozent zum Vorjahresmonat
Statistisches Bundesamt (Destatis), Baupreise für Wohngebäude Februar 2026, Stand 1. Februar 2026
Alter Sicherungskasten mit Schraubsicherungen aus Porzellan
Ein alter Sicherungskasten, in dem noch Schraubsicherungen sitzen. Bild: KI generiert.

Was sind Schraubsicherungen, und wo stecken sie noch?

Schraubsicherungen sind Sicherungen mit einem dünnen Draht im Inneren, der bei Überlast oder Kurzschluss durchbrennt und so den Stromkreis unterbricht. Das ältere D-System kam 1927 auf den Markt, das kompaktere Neozed-System kam 1967 dazu. Beide Bauformen stecken bis heute in älteren Hausanschlusskästen und Wohnungsverteilern, vor allem in den größeren Baugrößen am Hausanschluss selbst.

Im Sicherungskasten der Wohnung sind Schraubsicherungen heute meist von modernen Sicherungen abgelöst, die bei einem Fehler nur einen Kippschalter umlegen, statt eine durchgebrannte Patrone ersetzen zu lassen. Wo noch Schraubsicherungen sitzen, fehlt in aller Regel auch der heute übliche FI-Schalter. Das ist der Schalter mit der Prüftaste, der bei einem Fehlerstrom sofort abschaltet. Beide Techniken stammen aus verschiedenen Jahrzehnten.

Müssen Sie Ihre Schraubsicherungen austauschen lassen?

Für eine funktionierende Anlage mit Schraubsicherungen gibt es keine pauschale Austauschpflicht. Es gilt Bestandsschutz. Eine Anlage, die nach den zur Bauzeit geltenden Regeln gebaut wurde, muss nicht automatisch der heutigen Norm angepasst werden. Voraussetzung ist, dass sie sicher betrieben wird und niemand sie ändert.

Dieser Schutz endet, sobald Sie etwas an der Anlage ändern oder erweitern. Kommt ein neuer Stromkreis hinzu, etwa für eine Küche, ein Bad oder eine Außensteckdose, muss dieser neue Teil die aktuell gültige Norm erfüllen. Für Steckdosen bis 32 Ampere und für Beleuchtung in Wohnungen verlangt diese Norm seit dem 1. Oktober 2018 einen FI-Schalter mit höchstens 30 Milliampere Auslösestrom. Die alten, unveränderten Schraubsicherungen daneben bleiben davon unberührt, wenn Sie sie nicht anfassen.

  • Ein zusätzlicher Stromkreis für einen neuen Raum oder ein neues Gerät macht den FI-Schalter für genau diesen Stromkreis verbindlich.
  • Ein Wasserschaden oder Brandschaden an der Verteilung zwingt zur Erneuerung nach aktueller Norm, weil die Anlage ohnehin neu aufgebaut werden muss.
  • Der Kauf einer Immobilie ändert an sich nichts an der Rechtslage, ist aber der häufigste Anlass, die Anlage überhaupt prüfen zu lassen.
  • Eine sichtbare Beschädigung, etwa geschmolzenes Gehäuse oder Rußspuren, ist ein Sicherheitsmangel unabhängig vom Bestandsschutz und gehört sofort geprüft.

Eine echte Gefahr geht dabei immer vor. Erkennt eine Elektrofachkraft bei einer Prüfung eine unmittelbare Gefahr, etwa eine überhitzte Klemmstelle oder eine falsch gewählte Sicherung, darf sie sich nicht auf den Bestandsschutz berufen. Sie muss auf den Mangel hinweisen. Bei Gefahr für Leib oder Leben darf sie die betroffene Stelle sogar sofort abschalten. Bestandsschutz schützt vor einer pauschalen Nachrüstpflicht, nicht vor der Beseitigung eines konkreten Sicherheitsmangels.

Ist der Sicherungskasten dasselbe wie der Zählerschrank?

Viele Ratsuchende sagen Sicherungskasten und meinen unterschiedliche Dinge. Der Zählerschrank sitzt am Hausanschluss und enthält den Stromzähler. Der Sicherungskasten in der Wohnung selbst bündelt die einzelnen Stromkreise. Fachlich heißt er Unterverteilung, wenn er von einer zentralen Verteilung gespeist wird.

Zählerschrank und Sicherungskasten im Vergleich.
MerkmalZählerschrankSicherungskasten in der Wohnung
EnthältStromzähler, Zählervorsicherung, gegebenenfalls SteuerboxSicherungen und FI-Schalter je Stromkreis
Wer arbeitet darannur ein Betrieb, der bei Ihrem Netzbetreiber gelistet istjeder eingetragene Elektrofachbetrieb
Typischer Auslöser für einen AustauschWallbox, Solaranlage, Smart Meter, mehr Leistungneue Stromkreise, fehlender FI-Schutz, alte Schraubsicherungen

Für den Zählerschrank selbst gelten andere Regeln als für den Sicherungskasten.

Was kostet der Umbau auf moderne Sicherungen?

Eine amtliche Preisstatistik allein für den Austausch von Schraubsicherungen gibt es nicht. Die Arbeitszeit der Elektrofachkraft rechnet mindestens mit dem Mindestlohn im Elektrohandwerk, der zum Jahreswechsel 2026 auf 14,93 Euro je Stunde gestiegen ist. Dazu kommt Material: Sicherungen und FI-Schalter für jeden Stromkreis, ein neuer Verteilerkasten mit ausreichend Reserveplätzen und die Verdrahtung.

Wie läuft der Austausch Ihres Sicherungskastens ab?

Der Austausch folgt demselben Muster wie jede andere Erneuerung an einer bestehenden Elektroanlage. Eine Besonderheit gibt es: Während der Arbeiten ist die betroffene Wohnung oder der betroffene Hausteil meist für mehrere Stunden ohne Strom.

Von der Bestandsaufnahme bis zum geprüften neuen Sicherungskasten
  1. Bestandsaufnahme

    Die Elektrofachkraft zählt die vorhandenen Sicherungen, prüft deren Leitungen und stellt fest, welche tatsächlich noch Schraubsicherungen sind.

  2. Planung

    Der Betrieb legt fest, wie viele moderne Sicherungen und FI-Schalter nötig sind und ob der neue Kasten mehr Reihen braucht als der alte.

  3. Abschalten

    Die betroffenen Stromkreise werden spannungsfrei geschaltet, bei einem zentralen Kasten oft die ganze Wohnung oder Etage.

  4. Austausch

    Der alte Kasten weicht dem neuen Verteiler, jede Leitung wird einzeln umgeklemmt und dem richtigen Schutzschalter zugeordnet.

  5. Prüfung

    Die Elektrofachkraft misst, ob Leitungen und Schutzkontakte die richtigen Werte halten, und löst jeden FI-Schalter über die Prüftaste aus, bevor der Strom wieder freigegeben wird.

Wie lange die Wohnung ohne Strom bleibt, hängt von der Zahl der Stromkreise ab und davon, ob der Kasten nur ausgetauscht oder auch vergrößert wird. Bei wenigen Stromkreisen ist die Arbeit oft an einem Vormittag erledigt. Reicht die alte Zuleitung vom Zählerschrank für die zusätzlichen FI-Schalter nicht mehr aus, muss eine neue verlegt werden. Dann verlängert sich der Auftrag auf einen ganzen Tag oder mehr. Fragen Sie deshalb vorab nach der voraussichtlichen Dauer, besonders wenn im Haushalt Personen auf durchgehende Stromversorgung angewiesen sind, etwa wegen medizinischer Geräte.

So planen Sie den Austausch richtig

Diese Schritte helfen, den Aufwand realistisch einzuschätzen, bevor Sie ein Angebot einholen.

  1. Zählen Sie die vorhandenen Sicherungen und notieren Sie, wie viele davon noch Schraubsicherungen sind.
  2. Prüfen Sie, ob bereits ein FI-Schalter für einzelne Stromkreise vorhanden ist oder ob er komplett fehlt.
  3. Überlegen Sie, ob in den nächsten Jahren weitere Stromkreise dazukommen, etwa für eine Wallbox, damit der neue Kasten von Anfang an genug Reserveplätze bekommt.
  4. Fragen Sie im Angebot gezielt nach Stundenzahl, Zahl der Schutzschalter und Prüfprotokoll als Einzelposten.
  5. Klären Sie bei einer Mietwohnung vorab mit dem Vermieter, wer den Austausch beauftragt, weil es sich um eine Modernisierung der Anlage handelt, nicht um eine reine Reparatur.

Bewahren Sie nach Abschluss der Arbeiten das Prüfprotokoll zusammen mit der Rechnung auf. Es belegt gegenüber einer Versicherung, dass der neue Sicherungskasten nach den zum Zeitpunkt der Arbeiten gültigen Regeln geprüft wurde, und erspart im Schadensfall eine aufwendige Nachweisführung. Wer den Austausch beauftragen darf und was in ein Angebot gehört, zeigt der Ratgeber zum Elektriker beauftragen.

Häufige Fragen

Muss ich meine alten Schraubsicherungen austauschen lassen?

Nein, für eine sicher betriebene Anlage mit Schraubsicherungen gilt Bestandsschutz. Der Austausch wird erst Pflicht für Stromkreise, die Sie neu bauen oder ändern, weil diese Teile die aktuelle Norm erfüllen müssen. Unveränderte Altbestände bleiben davon unberührt, solange sie keine sichtbaren Mängel zeigen.

Was kostet der Austausch eines Sicherungskastens mit Schraubsicherungen?

Eine amtliche Preisstatistik dafür gibt es nicht. Die Arbeitszeit kalkuliert mindestens mit dem Mindestlohn im Elektrohandwerk von 14,93 Euro je Stunde, dazu kommen Sicherungen, FI-Schalter und ein neuer Verteilerkasten als Material. Der tatsächliche Aufwand hängt von der Zahl der Stromkreise ab und davon, ob nur die Sicherungen oder der ganze Kasten getauscht wird.

Brauche ich für jeden Stromkreis einen FI-Schalter, sobald ich etwas ändere?

Für Steckdosen bis 32 Ampere und für Beleuchtung in Wohnungen schreibt die Norm seit dem 1. Oktober 2018 einen FI-Schalter mit höchstens 30 Milliampere vor. Diese Pflicht gilt für neue oder geänderte Stromkreise. Unveränderte Altkreise ohne diesen Schutz bleiben bestehen, bis Sie sie anfassen.

Ist Sicherungskasten dasselbe wie Zählerschrank?

Nein. Der Zählerschrank sitzt am Hausanschluss und enthält den Stromzähler. Der Sicherungskasten sitzt meist in der Wohnung und bündelt die einzelnen Stromkreise. Beide werden oft verwechselt, sind aber unterschiedliche Bauteile mit unterschiedlichen Regeln.

Darf ich eine durchgebrannte Schraubsicherung selbst wechseln?

Ja, das Einschrauben einer neuen Patrone gleicher Stärke gilt als einfache Handlung, die auch Laien erledigen dürfen. Löst dieselbe Sicherung wiederholt aus, deutet das auf einen echten Fehler im Stromkreis hin, den nur eine Elektrofachkraft untersuchen darf. Eine stärkere Sicherung einzusetzen, um das Auslösen zu vermeiden, ist gefährlich und nicht erlaubt.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. DKE-Erläuterungen zur DIN VDE 0100-410 (Fehlerstromschutz, 30-mA-Pflicht seit 1. Oktober 2018), DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE,
  2. VDE FNN Hinweis: Zählerplätze in Bestandsanlagen, Version 1.0 (Abschnitt 6.1: Alterung und Abnutzung elektrischer Anlagen), VDE FNN, Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE,
  3. Übersicht Branchen-Mindestlöhne: Elektrohandwerke, 14,93 Euro (2026) bis 16,10 Euro (2028), Generalzolldirektion (Zoll),
  4. Baupreise für Wohngebäude im Februar 2026: plus 3,3 Prozent gegenüber Februar 2025 (Elektro-, Sicherheits- und informationstechnische Installationen: plus 5,4 Prozent), Statistisches Bundesamt (Destatis),
  5. § 13 NAV, Anschlussnutzung (Abs. 2: Arbeiten nur durch Unternehmen im Installateurverzeichnis, gilt sinngemäß für die Anlage hinter dem Zähler), Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,

Einsatz von Sprachmodellen

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Stand dieser Angaben: 26. September 2026.