Wann brauchen Sie überhaupt einen Starkstromanschluss?
Starkstrom ist der umgangssprachliche Name für Drehstrom, auch Kraftstrom genannt. Er liefert 400 Volt über drei Leiter, eine normale Steckdose dagegen 230 Volt über einen Leiter. An einer Steckdose mit 16 Ampere sind höchstens etwa 3,7 Kilowatt möglich. Braucht ein Gerät mehr, verlegt eine Elektrofachkraft eine eigene Drehstromleitung.
Im Haushalt lösen vor allem vier Geräte diesen Bedarf aus. Das sind ein Elektroherd mit Backofen, ein großer Durchlauferhitzer, ein Saunaofen mit höherer Leistung und eine Wallbox mit 11 Kilowatt. Die Richtlinie RAL-RG 678 plant für Elektroherd, Warmwassergerät, die Wallbox in der Garage und ab Stufe 2 auch für ein geplantes Saunaheizgerät jeweils einen eigenen Stromkreis ein.
Wie viel eine neue Leitung kostet, hängt stark vom Einzelfall ab. Eine amtliche Preisstatistik dafür gibt es nicht. Für die Arbeitszeit gilt eine Untergrenze. Jeder Elektrobetrieb muss seinen Beschäftigten mindestens 14,93 Euro je Stunde zahlen.
Was braucht ein Elektroherd?
Ein Elektroherd mit Ceranfeld und Backofen wird üblicherweise an alle drei Phasen angeschlossen, über eine feste Herdanschlussdose statt über einen Stecker. Liegt in Ihrer Küche schon eine Leitung mit fünf Adern, ist der Anschluss schnell erledigt. Fehlt sie, muss eine Elektrofachkraft sie neu verlegen. Arbeiten an der festen Elektroinstallation gehören in ihre Hand.
Ab wann braucht ein Durchlauferhitzer Drehstrom?
Kleine Durchlauferhitzer für ein einzelnes Waschbecken laufen meist noch an einer normalen Steckdose. Ein Gerät, das ein ganzes Bad oder mehrere Zapfstellen versorgt, braucht deutlich mehr Leistung und eine eigene Drehstromleitung mit passender Sicherung. Ob Ihr Hausanschluss diese zusätzliche Last verkraftet, klärt die Elektrofachkraft zusammen mit den anderen großen Verbrauchern im Haus.
Wann braucht Ihre Sauna einen Drehstromanschluss?
Für Räume und Kabinen mit Saunaheizung gibt es eine eigene Norm für die Elektroinstallation. Ab welcher Heizleistung ein Saunaofen Drehstrom braucht, steht in der Anleitung des Herstellers. Fragen Sie deshalb vor dem Kauf, welchen Anschluss der Ofen verlangt, und lassen Sie die Leitung von einer Elektrofachkraft verlegen.
Was braucht eine Wallbox mit 11 Kilowatt?
Eine Wallbox mit 11 Kilowatt lädt über alle drei Phasen und braucht deshalb einen Drehstromanschluss. Was Gerät und Installation zusammen kosten, hat der ADAC ermittelt: 1.200 bis 3.500 Euro im Einfamilienhaus. Die Installation allein kostet 500 bis 3.000 Euro, je nachdem, wie weit die Leitung vom Zählerschrank zum Stellplatz reicht.
Sie müssen jede Wallbox dem Netzbetreiber vor der Inbetriebnahme melden. Liegt die Gesamtleistung über 12 Kilovoltampere, braucht er vorher zugestimmt. Er hat dann bis zu zwei Monate Zeit für seine Antwort. Eine einzelne Wallbox mit 11 Kilowatt liegt darunter. Mehr zur Wahl zwischen 11 und 22 Kilowatt steht im eigenen Beitrag.
Was kostet das Verlegen einer neuen Starkstromleitung?
Der Preis setzt sich aus drei Teilen zusammen: der Arbeitszeit der Elektrofachkraft, der Länge der neuen Leitung vom Verteiler zum Verbraucher und dem Material. Zum Material gehören vor allem Kabel und die passende Sicherung. Eine amtliche Preisstatistik dafür gibt es nicht.
Am aufwendigsten wird es, wenn die Leitung unter Putz liegen soll und dafür Wände geöffnet werden. Eine sichtbare Leitung auf Putz oder in einem vorhandenen Leerrohr macht weniger Arbeit, weil keine Maler- oder Putzarbeiten folgen. Wie stark die Länge den Preis treibt, zeigt die Spanne von 500 bis 3.000 Euro bei der Wallbox-Installation.
Wie läuft die Beauftragung in der Praxis ab?
- Beauftragen Sie eine Elektrofachkraft, die den vorhandenen Zählerschrank und die geplante Leitungslänge prüft.
- Legen Sie das Gerät fest, etwa Herd, Durchlauferhitzer, Saunaofen oder Wallbox, damit die Sicherung richtig ausgelegt wird.
- Holen Sie ein Angebot mit Einzelposten für Arbeitszeit, Material und mögliche Stemmarbeit ein.
- Informieren Sie den Netzbetreiber, wenn eine Wallbox kommt oder die benötigte Leistung steigt.
- Bewahren Sie nach der Fertigstellung Prüfprotokoll und Rechnung auf, auch für eine mögliche Steuerermäßigung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Starkstrom und normalem Strom?
Starkstrom, auch Drehstrom oder Kraftstrom genannt, liefert 400 Volt über drei Leiter statt der 230 Volt über einen Leiter an einer normalen Steckdose. Eine normale Steckdose liefert bei 16 Ampere höchstens etwa 3,7 Kilowatt. Geräte mit höherem Leistungsbedarf, etwa ein Elektroherd oder eine Wallbox mit 11 Kilowatt, brauchen deshalb eine eigene Drehstromleitung.
Braucht eine Wallbox mit 11 Kilowatt immer einen Starkstromanschluss?
Ja, eine Wallbox mit 11 Kilowatt lädt über alle drei Phasen und braucht deshalb einen Drehstromanschluss mit 400 Volt. Eine normale Haushaltssteckdose taugt nur für sehr geringe Ladeleistung und ist für das Dauerladen nicht gedacht. Planen Sie für eine Wallbox deshalb von vornherein Drehstrom ein.
Darf ich einen Starkstromanschluss selbst legen?
Nein, eine neue Drehstromleitung dürfen Sie nicht selbst verlegen und anschließen. Das ist Sache einer Elektrofachkraft. Sie führt die Arbeit aus, prüft sie und übergibt ein Prüfprotokoll.
Wie erkenne ich, ob in meiner Wohnung schon ein Starkstromanschluss liegt?
Ob in Ihrer Wohnung schon ein Starkstromanschluss liegt, erkennen Sie im Sicherungskasten an einer dreipoligen Sicherung, die aus drei nebeneinanderliegenden Schaltern besteht. In der Küche deutet eine feste Herdanschlussdose oder eine rote, runde CEE-Steckdose darauf hin. Im Zweifel prüft das eine Elektrofachkraft.
Muss ich den Netzbetreiber informieren, wenn ich einen Starkstromanschluss legen lasse?
Ja, wenn durch die neue Leitung die benötigte Leistung steigt oder ein zusätzliches Gerät hinzukommt, müssen Sie das dem Netzbetreiber mitteilen. Für jede Wallbox gilt das vor der Inbetriebnahme. Nur bei einer Gesamtleistung über 12 Kilovoltampere braucht der Netzbetreiber vorher zugestimmt und hat bis zu zwei Monate Zeit für seine Antwort.
Was kostet die Arbeitszeit für das Verlegen einer Starkstromleitung mindestens?
Eine amtliche Preisstatistik für das Verlegen einer Starkstromleitung gibt es nicht, aber eine gesicherte Untergrenze: den Mindestlohn von 14,93 Euro je Stunde im Elektrohandwerk. Der Stundensatz einer Elektrofachkraft liegt meist deutlich darüber, weil Fahrzeug, Werkzeug und Gewinn eingerechnet sind. Verlangen Sie ein Angebot mit Einzelposten.
